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Symbolbild Olaf Scholz
Photothek
29.07.2022 | Mannheim

Rede anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von SAP

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann, lieber Winfried,
THE LÄND,
sehr geehrter Herr Professor Plattner,
sehr geehrter Herr Hopp,
sehr geehrte Familie Tschira,
sehr geehrter Herr Klein,
verehrter Herr Schick,
verehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
verehrte Gäste,


SAP ist Teil meines Alltags. Diese Aussage ist natürlich kein Alleinstellungsmerkmal. Weltweit laufen Betriebe mit SAP-Anwendungen, Millionen Nutzerinnen und Nutzer greifen darauf zurück.


Für mich aber gilt diese Aussage auf eine ganz besonders schöne Weise. Schließlich komme ich auf dem Weg von meiner Potsdamer Wohnung ins Kanzleramt tagtäglich am Museum Barberini vorbei, manchmal auch am Hasso-Plattner-Institut oder am SAP Innovation Center. Mehr SAP geht eigentlich nur in Walldorf und natürlich hier in Mannheim.


Wenige Kilometer nordöstlich, genauer gesagt: in Weinheim, hat alles angefangen. 50 Jahre ist das her, ein halbes Jahrhundert. Das sagt sich so leicht, aber in dieser Zeit hat sich nirgendwo so atemberaubend viel verändert wie in der IT-Branche. Zugleich hat keine Technologie die Welt so tiefgreifend und so rasant verändert wie die IT.


Aufbruch, Veränderung das passt auch zum Gründungsjahr 1972. Zwischen den Blöcken des Kalten Krieges begann es zu tauen. Nixon reiste nach China, die USA und die Sowjetunion schlossen den ersten Vertrag zur Eindämmung des nuklearen Wettrüstens daran sollte man sich gerade in diesen Tagen noch mal erinnern , Bobby Fischer gewann das Match des Jahrhunderts gegen Boris Spasski und Willy Brandt zum zweiten Mal die Bundestagswahl. Die Apollo-Missionen flogen zum Mond, Elton John’s „Rocket Man“ stürmte die Charts, und die erste Folge von „Raumschiff Enterprise“ wurde im westdeutschen Fernsehen ausgestrahlt. Manche erinnern sich auch, wie weit das zurückliegt.


Die Computer wurden kleiner, die Speichermöglichkeiten größer und die Prozessoren schneller. Mit dem ARPANET gab es den ersten Vorläufer des heutigen Internets. Es waren die Gründerjahre unseres modernen digitalen Zeitalters. Fortschrittseuphorie, Technikbegeisterung und Innovationen lagen in der Luft.


So war das auch am 1. April 1972. Damals, noch Jahre vor Microsoft, Apple und Oracle, gründeten Dietmar Hopp, Hasso Plattner, Claus Wellenreuther, Klaus Tschira und Hans-Werner Hector die Firma Systemanalyse Programmentwicklung, kurz: SAP.


50 Jahre zu diesem stolzen Jubiläum gratuliere ich Ihnen, den Gründern, dem Vorstand und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ganzem Herzen.
Was hier aufgebaut wurde, ist einmalig in Deutschland, meine Damen und Herren. Dabei war die Idee, mit der SAP an den Start ging, aus heutiger Sicht total logisch: Dateneingabe digital per Tastatur und Bildschirm statt analog und mit Lochkarte, dazu eine Standardsoftware, mit der Unternehmen alle betrieblichen Abläufe verarbeiten konnten, von der Lohnabrechnung bis zur Beschaffung, vom Vertrieb bis zur Rechnungsprüfung, und das Ganze noch in Echtzeit. Daher auch das Kürzel R für „real time“ in den ersten SAP-Programmen. Es hätte aber genauso gut auch für R wie „revolutionär“ stehen können, denn SAP wurde damit zum Pionier moderner betrieblicher Abläufe. Heute ist es das erfolgreichste deutsche Softwareunternehmen und das Aushängeschild der deutschen Digitalwirtschaft.


„The best run SAP“ das ist Ihr Anspruch und Fakt zugleich. Denn man kann mit Fug und Recht sagen: Die Weltwirtschaft läuft auf SAP-Software. Im „run“ liegt neben der Standardisierung auch das zweite Erfolgsgeheimnis. Denn in den Anfangsjahren war das Geschäft im wahrsten Sinne des Wortes mit Rennerei verbunden: zu den Rechenzentren der Kunden, um dort die ersten Programme an den Start zu bringen. Ein paar malerische Schilderungen dieser Begebenheiten haben wir eben gehört.


Kundennähe, Wissen über die einzelnen Branchen plus die richtige Balance zwischen individuellen Ansprüchen und standardisierten Anwendungen: Bis heute ist das die Grundlage des Erfolgs von SAP. Darauf bauen alle weiteren Entwicklungsschritte auf, die ganze Epochen des Digitalzeitalters prägen, von der kleinen Serversoftware über die mySAP.com-Strategie bis hin zu Cloud.


Hinter all diesen Schritten steckten harte Arbeit, Kreativität und die Offenheit, kontinuierlich neue Technologien anzunehmen und weiterzuentwickeln. Immer wurde und wird verbessert, angepasst und gewerkelt, immer nah am Kunden, immer mit dem Anspruch, beste und passgenaue Lösungen zu finden. Das sind die Tugenden, die es braucht, um in dieser Branche Erfolg zu haben. Das sind echte SAP-Tugenden, meine Damen und Herren; auch das will ich hier bekunden.


Das sind Tugenden, die unser Land braucht, denn wir erleben tektonische Verschiebungen im Zeitraffer. Da ist die Zeitenwende Ministerpräsident Kretschmann hat sie angesprochen , die Russlands Krieg gegen die Ukraine bedeutet, weil er die Grundsätze der europäischen Friedensordnung erschüttert hat, mit weitreichenden Konsequenzen für unsere Sicherheit, unsere Energieversorgung, für die Weltwirtschaft und für unsere Partnerschaften und Allianzen weltweit, und weil wir auch neue Erkenntnisse daraus ziehen müssen, was unsere Abhängigkeiten von Lieferketten betrifft, und natürlich auch im Hinblick auf die Frage, was wir selber können müssen, um in der Welt bestehen zu können.


Da sind zweieinhalb Jahre Coronapandemie, die tiefe Spuren hinterlassen haben, gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich, und da ist der größte Umbau unserer Volkswirtschaft seit Beginn der Industrialisierung, die ökologische und digitale Doppeltransformation, die wir nun mit noch mehr Entschlossenheit voranbringen. Denn die Transformation hin zu einer digitalen und klimaneutralen Wirtschaft ist Herausforderung und Lösung für die gegenwärtigen Probleme zugleich, weil sie Innovationen beschleunigt und weil sie neues Denken zwingend erfordert. Aber wem sage ich das hier, bei SAP!


Sie haben sich bereits für das Jahr 2023 vorgenommen, im eigenen Geschäftsbetrieb klimaneutral zu werden, entlang der Wertschöpfungskette bis 2030. Als Land, als Staat wollen wir Klimaneutralität bis 2045 erreichen, und wir kommen voran, schneller, als viele erwartet haben. Hier wirken die Krisen, die wir gegenwärtig erleben, als Katalysator.


Wir reduzieren unsere Energieabhängigkeit von Russland. Ich will sagen: Für Unternehmen wie für Staaten ist wichtig, dass sie in der Zukunft immer bedenken, dass keine einseitigen Abhängigkeiten entstehen und man in der Lage ist, im Hinblick auf seine Kunden, seine Lieferketten und seine technologischen Kompetenzen mit mehreren kooperieren zu können. Wir werden das beachten.


Wir differenzieren unsere Lieferquellen. Wir schaffen neue Infrastruktur in unglaublicher Geschwindigkeit und bauen Pipelines und Terminals, damit wir die Lieferanten diversifizieren können. Wir investieren massiv in den Ausbau der erneuerbaren Energien, um Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaneutralität auf Dauer zu gewährleisten.


Die Energiewende ist die eine Seite der Transformation, die Digitalisierung die andere. In der Coronapandemie haben wir erlebt, welches Potenzial in digitalen Lösungen steckt. Auch hier war SAP ein Taktgeber, Stichwort: Corona-Warn-App. Trotz mancher Kritik ist sie wahrscheinlich das bislang wichtigste IT-Projekt bei der Pandemiebekämpfung. Schließlich hat es buchstäblich Leben gerettet. Nicht zuletzt ist die App ein herausragendes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und öffentlicher Hand. Darauf können und werden wir aufbauen, wenn wir unser Land modernisieren und digitalisieren.


Eine zentrale Rolle wird dabei der Zukunftsrat spielen, und ich bin froh, dass SAP dort mit all seiner Expertise prominent vertreten ist. Herzlichen Dank dafür! Gemeinsam werden wir uns regelmäßig austauschen, wie wir die Potenziale aus Forschung und Innovation für den Standort Deutschland nutzen können, sei es bei Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz, Quantentechnologien und Blockchain oder der Zukunftsbranche Mikroelektronik mit der Ansiedlung von Unternehmen wie zum Beispiel Intel in Magdeburg, sei es bei der Erschließung von europäischen Datenräumen in gemeinsamen europäischen Vorhaben wie Gaia-X und Catena-X, in die SAP ganz zentral eingebunden ist, Stichwort: souveräne Cloud, sei es bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung oder bei der Unterstützung und Förderung von Start-ups.


Erst diese Woche haben wir im Kabinett die neue Start-up-Strategie der Bundesregierung verabschiedet. Wer, wenn nicht SAP ist das beste Beispiel und geradezu eine Blaupause dafür, wie aus einer Idee ein Weltkonzern entstehen kann! Wir wollen noch mehr davon.


Und noch etwas können wir von SAP lernen: All diese Umbrüche und Innovationen, ja Fortschritt selbst gelingen nicht ohne diejenigen, die die Ideen entwickeln und umsetzen. Auf Ihrer Homepage heißt es zu Recht:


„Kein Grad an Automatisierung, künstlicher Intelligenz oder maschinellem Lernen wird je die Genialität des menschlichen Gehirns ersetzen.“


So und nur so ist auch der Begriff der Industrie 4.0 zu verstehen, den Sie, Herr Professor Kagermann, vor einigen Jahren geprägt haben und der sich seitdem weltweit durchgesetzt hat. Es geht eben nicht darum, dass Maschinen Menschen ersetzen, sondern dass Maschinen unser Leben, unser Arbeiten erleichtern und verbessern. Es geht nicht ohne die klugen, innovativen Köpfe, die diese Maschinen entwickeln, herstellen und bedienen.


Wir haben uns deshalb vorgenommen, diejenigen besser zu fördern und zu unterstützen, die sich zum Beispiel in ihrem Beruf weiterentwickeln wollen. Wir senken auch die Hürden für Fachkräfte aus dem Ausland, die unser Land so dringend braucht. Denn das erleben wir doch gerade, wenn wir auf die aktuellen Engpässe in der deutschen Wirtschaft blicken: Es sind eben nicht allein die gestörten Lieferketten oder die hohen Rohstoffpreise, die dafür sorgen, dass volle Auftragsbücher derzeit nicht schnell genug abgearbeitet werden können, sondern es sind auch fehlende Arbeitskräfte. Da ist es nicht nur anständig, sondern klug und weitsichtig, wenn ein Unternehmen die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördert und an sich bindet, wie SAP es tut.


Vom Werkspraktikanten zum CEO: Das geht bei SAP auch das wurde uns eben schon geschildert , und das macht das Unternehmen besonders gut. Ich bin sicher, nicht nur Herr Klein wird mir da recht geben.


Fast noch wichtiger ist es, Nachwuchs direkt selbst auszubilden und für die Branche zu begeistern, so wie das in den hauseigenen Forschungs- und Innovationszentren geschieht. Das Hasso-Plattner-Institut und das SAP Innovation Center in Potsdam sind da die allerbesten Beispiele. Beim HPI wurde übrigens die HPI Schul-Cloud entwickelt, die heute an vielen Schulen genutzt wird. Auch die Bundesregierung leistet hier ihren Beitrag zur Digitalisierung der Bildung, nicht zuletzt durch den Digitalpakt, der ein echter Grundpfeiler für digitale Bildung an unseren Schulen ist. Weil Ministerpräsident Winfried Kretschmann zuhört, füge ich hier hinzu: Natürlich tun wir das Hand in Hand mit den Ländern.


Einen letzten Gedanken möchte ich noch hinzufügen, weil er mir sehr viel bedeutet: Gesellschaftliches Engagement, unternehmerische Verantwortung, die weit über den eigenen Betrieb hinausreicht und die Zukunft unseres Landes insgesamt im Blick hat, auch das zeichnet SAP und seine Gründer aus. SAP ist seiner Heimat immer treu geblieben: Walldorf, Mannheim, Baden-Württemberg, dem Standort Deutschland. Was hier zurückgegeben wurde, kann man im Einzelnen kaum aufzählen, vom Heimat-Fußballverein bis zum Museum Barberini und der Stärkung der MINT-Fächer. Sozialeinrichtungen, Kunst, Kultur, Sport und Wissenschaft überall engagiert sich SAP und engagieren sich seine Gründer für unser Land, für ein gutes Zusammenleben. Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken, und auch deshalb bin ich heute sehr gern hierhergekommen.


SAP ist ein Unternehmen, das begeistert, nicht nur mit Blick auf die vergangenen 50 Jahre, sondern vor allem auch mit Blick in die Zukunft.


Schönen Dank.