Sehr geehrte Gäste aus Japan,
sehr geehrte Gäste aus Hamburg,
sehr geehrte Frau Wandel,
sehr geehrter Herr Konsul Anzawa,
sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg begrüße ich Sie sehr herzlich zu unserer Diskussionsveranstaltung. Wir haben eine Gruppe von Gästen bei uns, die als Kinder oder Jugendliche ein Geschehen überlebten, das in der Geschichte der ganzen Menschheit einen bis dahin beispiellosen Schockmoment auslöste: den Atombombenabwurf von Hiroshima und Nagasaki vor 70 Jahren. Wir danken Ihnen, dass Sie auch in unsere Stadt gekommen sind.
Sie sind heute mit dem Peace Boat auf Ihrer Friedensreise um die ganze Welt in Warnemünde angekommen und mit dem Bus hier hergereist. Hamburg hat großen Respekt für Ihren unermüdlichen Einsatz.
Wir freuen uns ebenso über die Anwesenheit unserer Hamburger Zeitzeugen, die ebenfalls die Zerstörung ihrer Heimatstadt durch einen Feuersturm überlebt haben und nicht aufhören, die Erinnerung daran wach zu halten. Wir danken Ihnen, dem internationalen Städtenetzwerk Mayors for Peace, hinter dem tatsächlich, vertreten durch seine Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, ein großer Teil der Weltbevölkerung steht.
Und wir danken unserem Kooperationspartner, dem World Future Council. Für Hamburg als Mitglied der Organisation Mayors for Peace ist es eine Freude und Ehre, als Host City Teil dieser Weltreise zu sein.
Sehr verehrte Gäste,
auf Japanisch nennt man die Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki schlicht Hibakusha, Explosionsopfer. Wir kennen die eindrücklichen Fotos der Schatten, die Menschen in der Sekunde ihres Todes warfen, und die Bilder der in diesem Augenblick stehen gebliebenen Uhren. Weniger im Bewusstsein sind in Deutschland die furchtbaren Spätschäden, unter denen viele Überlebende, aber auch Nachgeborene oft zu leiden haben und denen viele ihrer Verwandten noch Jahrzehnte nach der Bombe zum Opfer fielen.
Wie unsere Hamburger Zeitzeugen kennen Sie die unerträglichen Schrecken des modernen Vernichtungskrieges aus eigenem Erleben. Der Name ihrer Heimatstädte steht wie ein Mahnmal vor uns als Synonym für eine vorher nicht gekannte Dimension der Zerstörung, aber auch für den Schwur Nie wieder Krieg. Dessen Aktualität ist nicht verschwunden, denn Krieg ist in manchen Regionen, auch in Europa, keine Vergangenheit, sondern Gegenwart. Auch wenn die Anwendung von Massenvernichtungswaffen, den früher so genannten ABC-Waffen, spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg seit Hiroshima und Nagasaki grundsätzlich moralisch geächtet ist und sich die Weltgemeinschaft immer wieder bemüht hat, ihren Besitz und Einsatz zu erschweren, mit der Perspektive, ihn in der Zukunft einmal ganz ausschließen zu können.
Das Gerippe der Atombombenkuppel in Hiroshima, der Friedenspark und das Friedensmuseum sind auch Zeichen der Hoffnung auf eine dauerhafte Weltfriedensordnung, auf die Übereinkunft aller Völker, sich friedlich zu verständigen. Ähnlich wie die Urakami-Kathedrale in Nagasaki.
In Hamburg könnten wir an keinem Ort besser daran erinnern als gerade hier in der traurigen, heiligen Ruine von St. Nikolai, deren hoch aufragender Kirchturm für die alliierten Flieger, die den Bombentod über unsere Stadt brachten, Orientierung bot, und als Denk- und Mahnmal inmitten der zerbombten Stadt stehen blieb.
Nicht nur die Katastrophen selbst, sondern auch der öffentliche Umgang damit zwingen uns zum beständigen Überprüfen des eigenen Standpunkts und des eigenen Tuns. Und nicht nur die Schrecken von Hiroshima und Nagasaki, auch das Kriegsende und die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus, namentlich die Befreiung der
Konzentrationslager, jähren sich 2015 zum 70. Mal. Das ist widersprüchlich und schwierig.
Auch wir Deutsche mussten uns im Laufe der Jahrzehnte vielen unangenehmen Wahrheiten stellen. Ohne diese mühevolle und schmerzliche Arbeit wäre das Deutschland von heute in der Weltgemeinschaft nicht wieder angekommen. Das ist bis heute ein langer Prozess, schmerzhaft bis in die einzelnen Familien.
Auch Auschwitz ist ein Wort, in dem sich das dem Menschen vom Menschen zugefügte Leid fast beispiellos kristallisiert und trotzdem stehen die Ortsnamen jeweils für sich und ist das Grauen des einen und der anderen Orte ursächlich nicht vergleichbar. Aber jeweils sind es Ortsnamen, die sprachlos machen können. Sie jedoch macht dieses Wort, Hiroshima, der Name Ihrer Heimat, der auf der ganzen Welt verstanden wird, ebenso wie Nagsaki gerade nicht sprachlos. Sie haben sich entschieden zu reden, und dafür möchten wir Ihnen sehr herzlich danken. Um das Geschehene heute und morgen zu verstehen, und um davor nicht zu verstummen, brauchen wir Ihre Mithilfe.
Liebe Schülerinnen und Schüler,
ergreift heute Eure Chance, zu fragen und zuzuhören. Krieg und Frieden sind auch Euer Thema Danke für Euer großes Interesse daran. Lasst Euch nicht nehmen, in Zukunft mitzureden. Der entschiedene Einsatz für Frieden und Verständigung ist jetzt und immer notwendig.
Vielen Dank, dass Ihr, dass Sie alle mitmachen.
Es gilt das gesprochene Wort.