Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen Viele.
In immer wieder neuen Variationen haben Dichter und Philosophen über diese simple Wahrheit nachgedacht, die doch im Alltag oft so schwer wahr zu machen ist. So, wie ich den Satz eben zitiert habe, stammt er von dem französischen Schriftsteller, und Piloten, Antoine de Saint-Exupéry.
Die andere Seite der Medaille wenn ich das heute so sagen darf besteht darin, dass die Vielen, dort wo sie sich zusammen finden und zusammentun, dass die ja doch aus lauter Einzelnen bestehen. Aus vielen Einzelnen, vielen Engagierten, vielen, die der Entwicklung unseres Gemeinwesens nicht bloß zusehen, sondern sie mitgestalten wollen.
Ich meine damit Frauen und Männer wie Sie, meine Damen und Herren! Und ich begrüße Sie alle sehr herzlich hier im Kaisersaal des Hamburger Rathauses.
Die Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes zu verleihen, war und ist für jeden Hamburger Bürgermeister seit 1926 eine erfreuliche und angenehme Aufgabe. Dieser wiederkehrende Anlass gehört zu den besten Traditionen unserer Stadt. Gern setze ich sie heute fort.
Mit dieser Medaille in Bronze würdigt die Freie und Hansestadt Hamburg Ihr freiwilliges Engagement, Ihr Ehrenamt, in dem Sie alle seit mindestens 25 Jahren tätig sind, einige schon viel länger.
Sechzig Namen enthält die heutige Liste und jeder einzelne davon ist ein Beweis für den hoch entwickelten Bürgersinn in unserer Stadt. Ich sehe zum Beispiel sehr viele ehrenamtliche Richterinnen und Richter, und ich weiß, was für ein hoch interessantes, aber oft auch schwieriges und sehr viel Zeit in Anspruch nehmendes Amt das ist.
Ich sehe Hamburgerinnen und Hamburger, die in Stadtteilbeiräten und Ausschüssen mitarbeiten; die sich für Senioren, Menschen mit Behinderungen oder solche einsetzen, die Suchtprobleme versuchen zu lösen, oder die straffällig geworden sind und resozialisiert werden möchten.
Ihr vielfältiges, individuelles und gemeinsames Engagement für gleichstellungspolitische Ziele, für Kultur und Völkerverständigung, in Hilfswerken und Hilfsdiensten ist für unsere Stadt nicht nur nützlich es ist unverzichtbar.
Und ich sehe aufs Neue, wie viele von Ihnen sich dabei in Vereinen betätigen, in Bürger- und Heimatvereinen, in Sportvereinen. Das Vereinsleben und das Vereinswesen, wie es immer wieder teils bewundernd, manchmal auch mit mildem Spott beschrieben wird, es lebt, weil es ganz offensichtlich der ehrenamtlichen gesellschaftlichen treuen Arbeit im Dienste des Volkes besonders geeignete Ansatzpunkte bietet.
Ein Ehrenamt auszufüllen und selber davon ausgefüllt zu sein, das ist sehr offensichtlich der Wunsch vieler Einzelner, die gemeinsam wirken, sei es mit oder ohne Mitgliedsausweis eines Vereins.
Und der Staat braucht Sie, die Stadt Hamburg braucht Sie, meine Damen und Herren! Denn, um auf das Eingangszitat zurückzukommen: Auch Politik und Verwaltung ist allein nicht alles möglich, was Viele dann doch vermögen: viele aktive Bürgerinnen und Bürger.
So richtig es ist, dass der Sozialstaat seine Aufgaben erfüllen muss und nicht abwälzen darf, so richtig ist dennoch auch, dass der Staat, zum Beispiel die Mitarbeiter der Wohlfahrtsverbände, oder der Bezirksämter, ganz zu schweigen von den hauptamtlichen Sportfunktionären, nicht alle wichtigen Leistungen bis in die Details hinein selbst erbringen kann. So wenig, wie auf sich allein gestellte Familien oder allein Erziehende oder allein Lebende immer allein zurecht kommen können, zumal in einer Zeit, in der uns die Alterung der Gesellschaft, der so genannte demografische Faktor, mehr und mehr herausfordert.
Meine Damen und Herren,
deshalb kann die Stadt Hamburg stolz auf Sie sein, und deshalb verleihe ich jetzt sehr gern die Medaillen für Treue Arbeit im Dienste des Volkes an Sie. Ohne Ihr freiwilliges, Ihr freies Engagement, frei auch von Bezahlung und Überstundenausgleich, ohne Ihre Einmischung wäre unsere Stadt ärmer.
Eine Medaille kann nicht viel mehr sein als ein symbolischer Dank. Entscheidend scheint mir die Inschrift darauf zu sein: Das Gemeinwohl ist das höchste Gesetz. Danach handeln Sie. Bitte setzen Sie das fort und geben Sie ein Beispiel für hoffentlich immer wieder Neue, treue Arbeiter im Dienste des Volkes. Ich danke Ihnen und gratuliere herzlich zu Ihrer Auszeichnung.
Es gilt das gesprochene Wort.