Sehr geehrter Präses Melsheimer,
Sehr geehrter Herr Parteisekretär Han,
sehr geehrter Botschafter Shi,
sehr geehrte Gäste und Delegationsmitglieder aus Shanghai,
sehr geehrte Damen und Herren,
ein schweres Schiffsunglück hat sich gestern auf dem Jangtse ereignet. Mein Mitgefühl gilt den Familien und Angehörigen der Opfer. Als Stadt der Seefahrer fühlen wir mit Ihnen.
Meere und Flüsse können grausam sein, wenn sie auch in der Regel vor allem Wohlstand, Verbindung mit anderen und auch Freude bedeuten.
In Hamburg sehen wir, nicht nur bei schönem Wetter, immer öfter Drachenboote. Die kraftvollen und leistungsstarken Teams auf ihren farbenprächtigen und sehr schnellen Booten erinnern uns daran, dass Hamburg und China seit Jahrhunderten über das Wasser verbunden sind.
Hamburg ist Chinas Tor zu Europa. Mit einem Umschlag von 2,6 Millionen Standardcontainern jährlich ist China Hamburgs wichtigster Handelspartner im seeseitigen Containerverkehr, jeder dritte Container im Hafen wird mit China umgeschlagen. Über den Hamburger Hafen kommen sogar mehr Produkte aus China, als wir als Exportweltmeister in das Reich der Mitte liefern können. Der hafenbasierte Güteraustausch mit China ist konstant steigend.
Hamburg hat einen sehr leistungsfähigen Universalhafen, 50 Prozent des deutschen Außenhandels wird hier abgewickelt. Mit einem Umschlagszuwachs von rund sechs Prozent hat Hamburg seine Marktposition im europäischen Vergleich verbessert. In Hamburg läuft der Seegüterumschlag effizient und mit hoher Qualität. Damit alle Containerschiffe, auch die der neuesten Generation, Hamburg ohne Probleme anlaufen können, werden Infrastruktur und Hafenanlagen weiter ausgebaut.
Der Hamburger Hafen wird immer mehr zu einem digitalen Logistikzentrum, einem smartPort, der ökonomische und ökologische Vernunft verknüpft. Online-basierte Informationssysteme und Serviceplattformen bieten intelligente Lösungen für Verkehr und Warenfluss. Auch das ist ein Thema, das uns mit unseren innovationsfreudigen Partnern aus Shanghai verbindet.
City of Hamburg Calling at the smartPORT ist deshalb auch das Motto der WelthafenKonferenz, die gerade parallel stattfindet und die Chefs von 700 Häfen in Hamburg zusammenbringt.
Den maritimen Austausch mit China haben wir 2004 durch unsere Hafenpartnerschaft mit Shanghai gefestigt. Auch der Partnerhafen in China glänzt mit Spitzenleistungen: 33 Millionen Standardcontainer wurden 2014 im Hafen von Shanghai, dem größten Hafen der Welt, umgeschlagen. Die Geschichte sagt, Shanghai sei einmal ein Fischerdorf gewesen, das ist kaum zu glauben, wenn man die 25 Millionen Metropole sieht. Die Stadt am Meer ist heute ein Impulsgeber für China, ein Ort großer Fortschritte, globaler Wirtschaftsleistungen und zahlreicher Innovationen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
gute Verbindungen sind die Voraussetzungen für die Leistungsfähigkeit von Häfen. Container, Stück- und Schüttgut müssen schnell und zuverlässig weiter geleitet werden. Hamburg ist auch Europas größter Bahnhafen. Das Transportaufkommen bei der Hafenbahn wuchs 2014 bei den Containerverkehren um 7,0 Prozent. Über Straßen und Schienen der Metropolregion laufen die Güter nach Skandinavien, in die baltischen Staaten, kommen aus Süddeutschland oder Mitteleuropa.
Über die Schiene sind wir auch mit dem Reich der Mitte verbunden: Von Zhengzhou in Zentralchina werden Container innerhalb von 17 Tagen mit dem Güterzug nach Hamburg gebracht. Die Eisenbahnverbindung zeigt, dass die Lieferung mit dem Zug über die neue Seidenstraße, wie die landseitige Verbindung heißt, schneller als die Schiffsverbindung und preiswerter als der Transport mit dem Flugzeug ist.
Nicht nur auf dem Wasser und an Land, in Hamburg ist auch am Himmel ordentlich was los. Dafür sorgen unsere drei Spitzenunternehmen der globalen Luftfahrtindustrie: Airbus, Lufthansa Technik und Flughafen Hamburg. Gemeinsam mit hunderten von Zulieferbetrieben und in enger Zusammenarbeit mit den Hochschulen haben sie die Hansestadt zum größten Luftfahrtstandort in Deutschland gemacht. Die Metropolregion Hamburg ist weltweit der drittgrößte Standort für die zivile Luftfahrtindustrie. In diesem Kontext einzigartig ist das Luftfahrtcluster Hamburg Aviation, in dem sich die gesamte Wertschöpfungskette dieser Industrie abbildet.
Wirtschaftspolitik ist Innovationspolitik. Die Wirtschaft braucht Innovation und fördert Innovationen. China hat sich die Stärkung der internationalen Verbindungen vorgenommen: One Belt, One Road steht nicht nur für die Verstärkung maritimer und landgebundener Infrastruktur, sondern auch für die neuen Technologien.
Das Internet ist die Infrastruktur für die nächste industriellen Revolution, Industrie 4.0 ist mehr als ein Update für Produktionsverfahren, der Begriff steht für die digitale Vernetzung von Produktionsstandorten, Maschinen und Dienstleistungen. Hamburg und Shanghai haben erkannt, welche Chancen und Potentiale damit verbunden sind. Die Wirtschaft wird digitaler und die internationale Arbeitsteilung justiert sich neu. Politik und Wirtschaft in der Metropolregion Hamburg begegnen diesem Wandel in enger Zusammenarbeit mit der Wissenschaft.
Medizintechnik, Luftfahrtindustrie, Handel und Logistik können von 3-D-Druck als Querschnittstechnologie profitieren. Hamburg hat mit dem Laserzentrum Nord, dem Hamburger Logistik-Institut und dem Forschungscluster Digitale Dienste der Universität Hamburg forschungsstarke Experten in dem Gebiet. Mit Cluster- und Innovationspolitik werden wir diese Prozesse aktiv gestalten und die Region als Technologieführer profilieren.
Wir nutzen die Digitalisierung für die Verbesserung der Produktion ebenso wie für effiziente und nachhaltige Distribution. Denn Lastkraftwagen, die im Stau stehen, Schiffe, die nicht anlanden können oder Maschinen, die nicht ausgenutzt werden, belasten die Umwelt und die Bilanzen. International wettbewerbsfähig werden in Zukunft nur noch Standorte sein, die sich diesem Wandel nicht verschließen. China fördert Zukunftstechnologien und Digitalisierung und zeigt sich damit als wirtschaftliche Weltmacht. Deutsche Technologie ist weltweit begehrt, wir setzen auf verstärkte Zusammenarbeit mit Shanghai.
Deutschland ist das Land der Energiewende, auch in China spielt Energieeffizienz eine immer größere Rolle. Für die Erneuerbaren Energien kommt der Rückenwind aus Hamburg, denn wir sind Deutschlands Windhauptstadt: Mit rund 1.500 Unternehmen der regenerativen Energiewirtschaft und knapp 5.000 Beschäftigten im Bereich der Windenergie ist die Branche ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für unsere Stadt. Wir sind, wie auch Shanghai, der Standort der Windenergiemesse und setzen auch hier auf internationale Zusammenarbeit und die Innovationskraft der Wirtschaft.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Leistungsvergleiche, Gewinnen und Verlieren die Regeln des Wettbewerbs kennzeichnen die ökonomische Sphäre. Aber sie kommen aus dem Sport. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat Hamburg als Bewerberstadt der Bundesrepublik Deutschland für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2024 ausgewählt. Hamburg steht für Internationalität, Toleranz und nachhaltige Stadtplanung. Wir nutzen die Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele, um unsere Stadt weiter zu entwickeln und zu zeigen, dass Nachhaltigkeit und Ökologie Themen von Metropolen sind.
Im Jahr 2030 werden weltweit mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Städten leben. Auch in Hamburg zeigt sich der Trend zu mehr Stadt, zur Urbanisierung und dem Leben in Städten. Wir begrüßen das, fördern den Zuzug und planen für eine Stadt mit 100.000 neuen Einwohnerinnen und Einwohnern Zahlen, die unsere chinesischen Partner nicht beeindrucken dürften, für Hamburg aber große Herausforderungen und große Investitionen bedeuten. Die Kernpunkte der nachhaltigen Stadtentwicklung des Senates sind Energieversorgung, Infrastruktur und Wohnraum in der Stadt.
Wir werden modernste Technologien nutzen, um die Klimaschutzziele einzuhalten. Hamburg ist ein Wissenschaftsstandort, wir nutzen die Expertise für mehr ökologische Energie- und Wärmeversorgung und die Steigerung der Energieeffizienz.
Urbanisierung mit hoher Lebensqualität verlangt zudem ein hoch effizientes Verkehrsnetz. Wir investieren deshalb in die öffentliche Schieneninfrastruktur und verbessern den innerstädtischen Verkehr durch die Nutzung neuer digitaler Technologien wie etwa den Ausbau der Elektromobilität. So werden wir ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse anschaffen.
Durch Umnutzung von Flächen und die Erschließung neuer Areale in der Stadt schaffen wir mehr Platz, trotz steigender Bevölkerung. Intelligente Nachverdichtung ist hier das Stichwort: Wir werden nicht aufhören, Wohnungen zu bauen und entwickeln gleichzeitig Grün- und Freiflächen in der Stadt.
So ist auch das Konzept für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele. Mit der Olympic City auf dem Kleinen Grasbrook werden wir mitten in der Stadt einen neuen Stadtteil erschließen, der für alle zugängliche, attraktive Flächen für Sport und Freizeit mitten in der Stadt schafft.
Meine Damen und Herren,
ob Wirtschaft oder Sport, China gehört in beiden Disziplinen zu den Weltmeistern: 38 Goldmedaillen, 27 Silbermedaillen und 23 Bronzemedaillen haben die Athletinnen und Athleten bei den Olympischen Sommerspielen 2012 errungen. Wir setzen fest darauf, dass wir sportliche Leistungen wie diese 2024 in Hamburg bewundern dürfen: Mitten in der Stadt, vielleicht ja sogar mit einem Rennen der Drachenboote.
Vielen Dank.
Es gilt das gesprochene Wort.