Sehr geehrte Frau Staatsministerin,
sehr geehrter Herr Erster Vizepräsident
der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrter Herr Käckenmester,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Kinder und Jungerwachsene,
wir feiern heute gemeinsam Ihre Einbürgerung und ich freue mich sehr, Sie und Euch hier im Großen Festsaal zu begrüßen. Ein großes Fest, das ist es ja jedes Mal aufs Neue. Diese Einbürgerungsfeier ist nun die 25ste, seit Hamburg die Tradition vor acht Jahren begründet hat.
Bedeutet die Zahl etwas? Ich meine ja, obwohl wir Deutschen die Liebe zu so genannten runden Geburtstagen und Jubiläen nicht für uns gepachtet haben. In vielen Ländern ist das ähnlich. Nein, aber 25 Einbürgerungsfeiern zeigen, dass die Idee, Einbürgerungen hier in Hamburg als etwas Besonderes herauszuheben und sie miteinander zu feiern, dass die gut angekommen, dass sie auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Man kann sagen: dass sie sich eingebürgert hat.
Damit sind wir übrigens schon bei den Feinheiten der deutschen Sprache, die uns verbindet und die Ihre Sprache ist bei vielen schon lange, bei anderen vielleicht erst seit kürzerer Zeit. Sprachen zu lernen, fällt naturgemäß Kindern am leichtesten; wenn sie den Vorteil haben, von klein auf mit zwei Sprachen aufzuwachsen, wenn man sie das tun lässt und ein wenig dahinführt, beide gut zu lernen, ist das ein großer Vorteil für den eigenen Blick auf die Welt, davon bin ich überzeugt. Für den schulischen und beruflichen Weg erst recht.
Meinen Respekt haben aber auch diejenigen, die sich erst später mit der deutschen Sprache beschäftigt und bald gemerkt haben, dass sie nicht die leichteste ist. Die das aber als Herausforderung verstanden und sich erfolgreich bis zu einer Prüfung hindurchgearbeitet haben, was ja zu den Voraussetzungen für die Einbürgerung gehört.
In klarem Deutsch, ohne Wenn und Aber, möchte ich Sie heute zu Ihrer Entscheidung, sich einbürgern zu lassen, beglückwünschen. Es ist eine gute Entscheidung. Denn wer in Deutschland lebt, wer hier gern lebt, wer sich auf Deutschland einlassen und etwas aufbauen will, und sich so zu Deutschland bekennt, muss auch alle Rechte haben, alle Möglichkeiten der Teilhabe am öffentlichen Leben, an dem, was wir demokratische Willensbildung nennen.
Und das heißt: Er oder sie sollte unbedingt die Chance ergreifen, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben. So wie Sie es getan haben! Und übrigens, wenn ich eben mehrfach das Wort Deutschland gebraucht habe, dann hat natürlich das Wort Hamburg immer mitgeschwungen. Das haben Sie alle gemerkt, in diesem Saal mit den Bildern aus Hamburgs Geschichte.
Ich bin sicher, Sie werden es spüren oder spüren es jetzt schon: dass Sie als Staatsbürger in stärkerer Weise gefragt sind mitzumachen, ihre Ideen zu entwickeln, Ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen und ihre Meinung zu sagen.
Bevor ich auf zwei besondere Aspekte zu sprechen komme, die mir gerade aktuell besonders wichtig scheinen, möchte ich noch einmal auf das Jahr 2006 zurückkommen, auf die erste Einbürgerungsfeier damals im November.
Heute, bei der 25. Einbürgerungsfeier in diesem schwierigen Jahr 2014 schwierig an vielen Stellen der Welt möchte ich ganz besonders dies betonen: Im Rathaus, in Hamburg grüßen auch Deutschland und die Europäische Union. Deutschland ist sehr bewusst und sehr überzeugt ein Teil des zusammen wachsenden Europa, ist eingebettet in die Europäische Union. Eine gemeinsame Familie, die uns Sicherheit und Zusammenhalt gibt und die ihren Angehörigen viele Vorteile bietet, von denen aber keiner so wichtig ist wie die gemeinsame Sicherung einer friedlichen Nachbarschaft.
Eine Familie übrigens, in der es manchmal auch laut wird, denn Streit kommt in den besten Familien vor. Aber seien Sie sicher: Sie werden gute Deutsche und damit gute Europäer sein. Beides gehört untrennbar zusammen und niemand, der ernsthaft nachdenkt, wird dahinter zurück wollen.
Das war der eine Aspekt, der mir heute besonders am Herzen liegt. Der andere ist damit verwandt, er betrifft den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, der die Voraussetzung für eine gute Zukunft ist.
Auch und gerade in einer großen Stadt wie Hamburg ist das Gemeinwesen mehr als die Summe seiner Teile. Aber gerade hier hat auch jeder und jede Einzelne die besonders gute Chance, einerseits bei der Suche nach persönlichem Glück dieses zu finden, aber gleichzeitig zu einem offenen, toleranten, achtsamen Miteinander beizutragen.
Gestalten Sie das eigene Leben. Auch mit denen, die nicht dieselben Überzeugungen teilen, die unterschiedliche Konsumwünsche haben, sich so oder so kleiden, Auto fahren, S-Bahn und/oder Fahrrad, die oft in ihr Smartphone tippen oder selten, die gern im Volkspark grillen oder lieber in der Feldmark den Grillen zuhören.
All das und tausend Dinge mehr machen Hamburg aus und die Stadt, das Gemeinwesen braucht Sie alle.
Meine Damen und Herren,
über Ihre persönlichen Gründe, warum Sie Deutsche werden wollten, haben Sie intensiv nachgedacht und mit einem Ergebnis, das uns freut. Natürlich haben auch wir, hat die Stadt Hamburg wichtige Gründe, die Einbürgerung zu erleichtern und zu fördern. Denn wir brauchen Sie! Die Einbürgerung ist ein Staatsziel.
Wir brauchen Sie, weil unsere Stadt ohne Zuwanderer aus allen Teilen der Welt nicht die weltoffene, vielfältige Metropole geworden wäre, die sie heute ist.
Wir brauchen Sie auch ganz konkret in der Verwaltung der Stadt. Das Konzept ist nicht neu, aber bei dieser 25sten Einbürgerungsfeier will ich es erneut hervorheben:
Interkulturelle Öffnung, so nennen wir das Zusammenwirken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit und ohne Migrationshintergrund. Viele Betriebe und Unternehmen setzen darauf sehr bewusst und dasselbe tut die Stadt Hamburg. Daher die Kampagne, von der viele gehört haben werden: Wir sind Hamburg bist du dabei? Mit der Frage sucht der öffentliche Dienst von der Polizei bis zum Einwohneramt mehrsprachige Mitarbeiter und solche, die Erfahrungen aus anderen Kulturkreisen mitbringen.
Liebe Hamburgerinnen und Hamburger,
viele eindrucksvolle und bewegende Geschichten sind bei den ersten 24 Einbürgerungsfeiern erzählt worden. Das wird auch heute so sein, da bin ich sicher nein, ich weiß es, denn ich gebe zu: In die Manuskripte meiner Nachfolge-Rednerin und
-Redner habe ich schon einen kurzen Blick werfen können.
Ich wünsche allen eine schöne Feier und dass sich Ihre Wünsche als Deutsche in unserer Stadt erfüllen.
Und damit gebe ich weiter an Frau Staatsministerin Özoğuz. Vielen Dank.
Es gilt das gesprochene Wort.