Grußwort zum Senatsempfang 20 Jahre Hamburg 1
Sehr geehrter Herr Schmidt,
sehr geehrter Herr Otto,
sehr geehrte Frau Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
herzlichen Glückwunsch zum 20. Geburtstag eines Kindes hellwacher Eltern. Ausgeschlafen sind junge Mütter und Väter normalerweise wohl selten, schon gar nicht morgens um sechs. Doch Hamburg 1 startete um genau die Zeit mit einem Frühcafé. Das hat die Stadt verändert, denn seitdem gab und gibt es offenbar einen Grund mehr, die häusliche oder Büro-Kaffeemaschine beim ersten Hahnenschrei anzuwerfen.
Kindheit und Adoleszenz des Hamburger Metropolensenders fielen in bewegte Jahre der Medienbranche. Wer die durchgestanden hat und mit Anfang 20 immer noch zuversichtlich auf den nächsten Tag, den nächsten Monat und das nächste Jahr schaut, der hat auch allen Grund dazu.
Denn was hat sich nicht alles verändert? Als Hamburg 1 1995 an den Start ging, stand in den Lehrbüchern der Medienökonomie noch der Satz, dass die Gründung eines ordentlichen Fernsehvollprogramms inklusive Technik eine Milliarde Mark kosten könne.
Heute schaffen Youtube-Stars mit selbstgedrehten Filmchen aus dem Wohnzimmer Reichweiten, von denen damals niemand auch nur zu träumen wagte.
Die Digitalisierung hat, wenn Sie so wollen, die Produktionsmittel des Fernsehens demokratisiert. Das schafft neue Möglichkeiten, auch für die klassischen Sender.
Und so klassisch war Hamburg 1 ja nie. Öffentlich-rechtliches Fernsehen gab es seit Jahrzehnten und das private Fernsehen war auch schon in der Pubertät, als in Hamburg der Versuch begann, Fernsehen für eine Metropole zu machen.
Da wo andere schon längst Routinen entwickelt hatten, war bei Hamburg 1 alles noch Experiment. Es gab kaum etwas, woran man sich festhalten konnte. Hamburg 1, das war ein Programm ohne Netz und doppelten Boden, ohne Geländer und Sicherheitswesten.
Diejenigen, die von Anfang an dabei sind, erinnern sich daran, wie jeder Tag erneut ein Aufbruch ins Unbekannte war, ganz so wie an jenem 3. Mai vor 20 Jahren, als Henning Voscherau, ein leidenschaftlicher Frühaufsteher, das Programm per Knopfdruck auf Sendung brachte.
Das Neue war vor allem der Versuch, Fernsehen aus der Metropole für die Metropole zu machen. Das Lokale war bis dahin eine Sache der Zeitungen und Stadtmagazine.
Fernsehen war allenfalls regional und selbst das nur in Ausnahmefällen. Die große Tradition der lokalen TV-Sender hatte es aus den USA bislang nicht nach Deutschland geschafft.
Deswegen war es kein Wunder, dass unter den illustren Gründungsgesellschaftern neben Axel Springer auch der US-amerikanische Medienriese Time Warner war und auf gutes Geschäft hoffte.
Die große Medienmetropole Hamburg war ein guter Ort für den Start dieses Experiments.
Doch Fernsehen ist in jedem Land anders und außerdem waren die Margen des US-Fernsehens in Deutschland nicht zu erzielen. Der Umbruch, bis dahin nur Zeitungsredakteuren geläufig, war nun Alltag hinter den Fernsehkulissen, so dass die Redaktion bei Hamburg 1 oftmals beständiger schien - und es vielleicht auch war - als die Gesellschafterstruktur.
Diejenigen, die dabei geblieben oder neu dazugekommen sind, glauben zu Recht daran, dass lokales Fernsehen möglich ist. Und vielleicht auch daran, dass es nötig sei. Beides ist richtig.
Gemeinsame Medien sind wichtig für Gesellschaften. Oftmals sind sie gar Grundlage ihrer Entstehung. Die Berichterstattung über das gemeinsam Relevante schafft erst das Bewusstsein der Gemeinsamkeit. Das Gespräch über die Themen der Zeit ermöglicht Teilhabe.
Und da wir in Zeiten leben, in denen längst das Visuelle über die Wahrnehmung entscheidet, ist es nur konsequent, diese Möglichkeiten auch in den Städten anzuwenden.
In großen Städten zeigen sich die Herausforderungen und Chancen moderner Gesellschaften wie unter einem Brennglas. Sie bieten daher allen Stoff für gutes Fernsehen. Hier entstehen neue kulturelle und gesellschaftliche Trends. Hier begegnen sich Wirtschaft und Wissenschaft. Große Städte entstehen stets neu und sind niemals fertig. Genauso wie gute journalistische Produkte.
Dass dieser Geist immer wieder anders beschworen werden kann, zeigt der Rückblick auf 20 Jahre Hamburg 1. Aber bei allen modischen und konzeptionellen Veränderungen, zeigen sich klare Konstanten: Der Sender und seine Redaktion kümmern sich um Hamburg und seine Themen.
Hier kommen immer wieder Verantwortung und Leidenschaft für unsere schöne Stadt zusammen. Das zeigt auch eine Veranstaltung wie der Hamburger des Jahres, mit der Hamburg 1 schon manche Entdeckung gemacht und ins Licht der Öffentlichkeit gerückt hat.
Ich verspreche Ihnen, dass Ihnen die Themen auch in den nächsten 20 Jahren nicht ausgehen werden.
Ich bin gespannt, wie Sie diese aufbereiten werden. Sicherlich werden Sie auch in Zukunft Raum schaffen für das Gespräch über die relevanten Themen der Stadt. Und Sie werden so manchen Blick hinter die Kulissen Hamburgs werfen.
Aber Sie werden sich auch neue Technologien erschließen und neue Darstellungsformen entwickeln müssen. In der Kompetenz für das Bewegtbild der Metropole stecken noch viele ungehobene Schätze, die auch Gesellschafter zufriedenstellen können. Da bin ich sicher.
Doch heute sollen Sie sich ehren und feiern lassen. Aus den vergangenen 20 Jahren, ihren Erfahrungen und Erfolgen lässt sich Kraft ziehen für die kommende Wegstrecke. Ich jedenfalls freue mich auf viele weitere Begegnungen.
Schönen Dank!
Es gilt das gesprochene Wort.