Sehr geehrte Frau Inselmann,
sehr geehrte Mitglieder des Stiftungsrates des Kultur Palastes,
sehr geehrter Herr Wulff,
sehr geehrter Herr Bezirksamtsleiter,
sehr geehrte Frau Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Welt trifft sich in Billstedt. Bürgerinnen und Bürger mit persönlichen Verbindungen in fast alle Länder der Welt leben hier, prägen den Stadtteil, pflegen Traditionen und erfinden neue. Mitten drin, im östlichen Teil des Bezirks Mitte, gibt es einen Ort, der den Stadtteil mit Kunst und Kultur krönt: Den Kultur Palast Hamburg.
Es heißt nicht Billstedter Kulturpalast, denn es geht um Hamburg. Von Billstedt aus wird die Kultur in die anderen Stadteile und gerne auch in deren Randbezirke exportiert.
Beispiel Klangstrolche: Sie haben schon 20 Standorte in Billstedt aber insgesamt 36 in anderen Stadtteilen und noch einmal vier Standorte außerhalb von Hamburg. Und auch die HipHop Academy geht gerne über Grenzen: Neun Standtorten in Billstedt stehen 29 weitere in der ganzen Stadt und zwei außerhalb von Hamburg gegenüber.
Als der Kulturpalast vor 35 Jahren in einem kleinen ungeheizten Raum gegründet wurde, waren einige Nachbarn schon überrascht: Was wollt Ihr denn hier? wurde das Team gefragt. Kultur? Kunst? So als seien Kunst und Kultur die Dinge, die in der Stadt nur Leute weiter westlich interessieren.
Kunst und Kultur passen sehr gut hierher, ja sie sind für viele zur zweiten Heimat geworden. Kleine und große Talente sind entdeckt, gefördert und erfolgreich in das Berufsleben begleitet worden.
Unter dem Dach der Stiftung Kultur Palast Hamburg entstehen seit 35 Jahren neue und andere Formen der Kultur: Es ist Kunst, die von der Basis kommt, von denen, die normalerweise die Konsumenten sind. Die Entstehungsgeschichte der HipHop Academy zeigt diesen Richtungswechsel in der Kulturproduktion besonders deutlich:
Über lange Zeit forderten Jugendliche, im Musikclub Bambi Galore solle es doch endlich HipHop geben. Aber die Skepsis war anfangs groß. HipHop hatte keinen guten Ruf, die Kultur galt als Trend unter rauen und nicht allzu gesetzestreuen Jugendlichen. Konträre Vorstellungen im Haus eine brenzlige Situation? Nein, das Team vom Kultur Palast Hamburg hat es als Chance genutzt, sich mit den berühmtesten HipHop Künstlern Deutschlands beraten und das Konzept der HipHop Academy entwickelt. Inzwischen gilt die HipHop Academy weit über Hamburgs Grenzen hinaus als herausragendes und gelungenes Modell für Integration durch Nachwuchsförderung.
Oder nehmen wir das aktuelle Beispiel Drachentanz: Schon länger treffen sich hier vietnamesische Gruppen zum Tanzen. Das Haus hat diese Kompetenz aufgegriffen und mit einer Qualifizierung verbunden: Jetzt gibt es Trainerinnen und Trainer, die vietnamesischen Drachentanz an Nicht-Vietnamesen weitergeben.
Die Kunstproduktion des Kultur Palast Hamburg verläuft gewissermaßen in der umkehrten Richtung. Die Angebote kommen aus dem Herzen des Stadtteils, sie knüpfen an Alltagserfahrungen an, nutzen das Spezialwissen des Stadtteils. Michel Foucault hat das das Wissen der Leute genannt. Es meint damit das Know-how der Bewohner wenig privilegierter Regionen, die Kreativität, die aus Arbeitervierteln stammt oder Erfahrungen aus Stadtteilen, die das Image von Problembezirken haben.
Musik ist häufig das Medium, das diese Stimmungen zuerst aufgreift, die Kunst, die diesen besonderen Erfahrungen eine Form gibt und die Brüche in der Gesellschaft artikuliert. So etwas lasse sich nicht in Einstimmigkeit auffangen, betont Foucault. Man könnte es auch so sagen: Es gibt Spannungen, einen markanten Rhythmus und es ist laut wie HipHop eben.
Meine Damen und Herren,
immer schon haben Jugendliche Ideen gehabt, Songs geschrieben oder etwas aufgeführt. Wenn es keine Förderung gibt, keine Räume zum Üben, keine Studios, verfliegt diese kreative Energie oft. Dank der Stiftung bekommen solche Initiativen nun eine kreative Geschichte. Ideen und Spannungen werden aufgegriffen, der Palast stellt sich den Herausforderungen des Stadtteils.
Nicht nur für die Zeit der Kurse, Konzerte und Festivals ist dieser Ort das Zentrum des Interesses. Von hier aus sagen Kinder, Jugendliche und Erwachsene: So geht das. Denn hier wird mit Kunst und Kultur zugleich auch Integration praktiziert.
Der Kultur Palast Hamburg hat den Ruf, das Unmögliche zu schaffen. Etwa, wenn Kinder in der musikalischen Frühförderung der Klangstrolche mit dem Singen so ganz nebenbei die Grammatik lernen und viel besser rechnen können. Das ist hervorragend für die Region.
Die Erfolgsgeschichte des Kulturpalastes ist auch der erfolgreichen Arbeit des Stiftungsrats zu verdanken. Ich möchte ausdrücklich Rainer Blohm, Gabriele Brasch, Amelie Deuflhard, Frank Otto, Edzard Treyde, Carola Veit und Stefan Wulff danken. Mit Ihrem Rat und unter dem Dach der Stiftung sind Projekte gegründet worden, die Modellcharakter haben.
Meine Damen und Herren,
in Stade wie in Dortmund, in Moskau und Mumbai, in Shanghai ebenso wie in Straßburg kennt man den Kultur Palast Hamburg. Ihre Erfolge zeigen, wie wichtig es ist, dass wir bestmögliche Bedingungen schaffen und an Kultur nicht sparen.
Senat, Bezirk und Wirtschaft haben die achtjährige Planungsphase für den so dringend benötigten Erweiterungsbau begleitet. 2014 hat die Hamburgische Bürgerschaft rund 5,3 Millionen Euro bereitgestellt. Der fünfstöckige Erweiterungsbau soll in eineinhalb Jahren fertig gestellt werden, Anfang 2018 können wir dann die Einweihung feiern.
Zusammen mit den bereits mobilisierten Fördermitteln des Senats, der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, der Kulturbehörde und der Bezirksversammlung wird die Stadt insgesamt rund 7,7 Millionen Euro investieren.
Meine Damen und Herren,
die Stadt ist besonders, sie braucht das Kreative, das Experimentelle und das Ungewöhnliche, sie braucht besondere Kunst. Der Kulturpalast ist eine starke Stimme, eine ganz wesentliche Stimme der Kulturszene der Stadt. Er zeigt was Hamburg leisten kann, welche Potentiale Stadtteile haben und was es heißt, in einer internationalen Stadtgesellschaft zu leben.
Dazu gehört auch Aufregung und Spannung. Ausdruck der Spannungen ist im HipHop der Battle, der kreative Kampf. Das sind etwa Wettbewerbe in Breakdance, Graffiti und Rap.
Dörte Inselmann, Vorstand und Intendantin der Stiftung Kultur Palast Hamburg, hat als Mistress of Ceremonies die Elbphilharmonie zu einem Wettkampf in der Bautätigkeit herausgefordert. Sie fragt: Wer ist schneller fertig?
Ich wünsche dem Kultur Palast Hamburg alles Gute in diesem Wettstreit. Ich kenne auch schon die Gewinner. Das sind die Hamburgerinnen und Hamburger. Sie gewinnen auf jeden Fall. Sie können sich schon jetzt auf die Kreativität und Vielstimmigkeit beider Häuser freuen.
Vielen Dank.
Es gilt das gesprochene Wort.