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04.09.2014

Grußwort zur Verleihung des Körber-Preises für die Europäische Wissenschaft

Grußwort zur Verleihung des Körber-Preises für die Europäische Wissenschaft

 

Sehr geehrter Herr Vizepräsident der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrter Herr Wriedt,
sehr geehrte Frau Professorin Moser,
sehr geehrter Herr Professor Moser,
sehr geehrte Frau Ministerin,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, Sie alle hier in unserem Rathaus willkommen zu heißen.

Kurt Körber, der große Hamburger Mäzen, Gestalter und nicht zuletzt Stifter dieses Preises, hatte einen Leitsatz, der sich wie ein roter Faden durch sein Leben zog. Er lautete: Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.

Wie ein Vermächtnis wirkt seine Maxime auch über seinen Tod hinaus in die Gegenwart hinein. Dass wir heute bereits zum 30. Mal die Verleihung des Körber-Preises stattfindet, verdanken wir der Körber-Stiftung, die nie aufgehört hat, jedes Jahr aufs Neue herausragende europäische Wissenschaftler zu prämieren. Engagierte und talentierte Forscherinnen und Forscher wie May-Britt und Edvard Moser, die sich einreihen in eine Riege exzellenter Spitzenforscher.

Lassen Sie mich Ihnen zu dieser auch als Hamburger Nobelpreis bekannten Auszeichnung von Herzen gratulieren!

In Ihrer Heimat Norwegen, verehrte Preisträger, gibt es eine Redensart, die auch der Schlüssel zu Ihrem Erfolg als Hirnforscher sein dürfte. Sie lautet: Drei Dinge braucht man zu allem: Kraft, Verstand und Willen.

Allgemein gesprochen: Ohne Forscherdrang, Beharrlichkeit und Mut zum Querdenken gäbe es keine Forschung und ohne Forschung keinen Fortschritt. Wer weiß es besser, als Sie, Frau und Herr Moser, die sich mit ihren zukunftsträchtigen Arbeiten aktiv den gesellschaftlichen Herausforderungen von morgen und übermorgen stellen. In Ihrem Fall: Herausforderungen, die die Folgen des demografischen Wandels berühren.

Denn in einer immer älter werdenden Gesellschaft kommt gerade der Forschung zu altersbedingten Krankheiten eine wachsende Rolle zu. Mit Ihren Erkenntnissen zur räumlichen Orientierung und zum räumlichen Gedächtnis könnten Sie eines Tages dabei helfen, den eingeschränkten Orientierungssinn von Alzheimerpatienten zu verbessern.

Ihre Arbeiten mit Ratten haben gezeigt, dass Nagetiere eine Art Navigationssystem haben in einem Gehirn, das in mancher Hinsicht ähnlich wie das des Menschen funktioniert. Damit haben Sie als erste Wissenschaftler überhaupt eine echte Denkleistung direkt auf zellulärer Ebene nachgewiesen.

Liebe Preisträger,
wir sind voller Anerkennung für das, was Sie geleistet haben. Sie lassen sich gemeinsam von den Möglichkeiten der Forschung beflügeln und bildlich gesprochen davontragen in gedankliche Sphären, die zwar für interessierte Laien nur schwer zu begreifen sind, deren Nutzen aber dafür eines Tages umso verständlicher ist. Mit Ihrer Arbeit tragen Sie Verantwortung für unsere Zukunft und leisten, wie es in der Satzung zum Körber-Preis steht, wesentliche Beiträge zur Erhaltung der Lebensbedingungen auf diesem Planeten.

Wir sind gespannt auf das, was wir noch von Ihnen hören werden. Das Preisgeld jedenfalls wird Sie zweifellos zu Weiterem beflügeln, denn Sie haben bereits angekündigt, dass Sie es dafür nutzen wollen, die physiologischen Abläufe in den Rasterzellen des Rattengehirns weiter zu erforschen. Ganz im Sinne Kurt Körbers: Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.

Meine Damen und Herren,
als Bürgermeister einer so großen und vielfältigen Metropole weiß ich nur zu gut, wie wichtig es ist, nie aufzuhören, sich neuen Herausforderungen zu stellen und nicht nachzulassen in dem Bestreben, die Lebensqualität im Interesse aller Hamburgerinnen und Hamburger weiter zu verbessern.

Die Attraktivität als Stadt, Hamburgs Wettbewerbsfähigkeit hängt auch davon ab, wie gut wir es verstehen, Wissenschaft, Forschung und Bildung voranzutreiben. Das tun wir mit großer Begeisterung und sind dabei auf einem guten Weg!

Der Senat wird in den kommenden beiden Jahren jeweils fast eine Milliarde Euro für Wissenschaft, Forschung und Hochschulen aufwenden und die Ausgaben entsprechend der Vereinbarung in den Hochschulverträgen bis zum Jahr 2020 kontinuierlich steigern. Die bauliche Hochschul- und Forschungsinfrastruktur wird modernisiert, und nicht zuletzt sind die Hochschulen im Gegensatz zu den Behörden nicht den strikten Personaleinsparungs-Vorgaben unterworfen, welche die Schuldenbremse nötig macht.

Jede Bürgerin und jeder Bürger Hamburgs wendet nach der jüngsten Studie der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers pro Kopf mit Abstand mehr Steuergeld für die Hochschulen auf als andere Länder.

Hamburg ist ein starker Wissenschaftsstandort. Damit das so bleibt, arbeiten wir unermüdlich daran, Exzellenz zu fördern und zu erhalten, Spitzenforschung und Nachwuchsförderung auszubauen.

Wir haben 19 staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen und 9.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in unserer Stadt forschen und lehren.

Nicht vergessen werden darf das DESY. Mit erheblichen Investitionen in die Modernisierung und den Ausbau seiner Forschungsinfrastruktur, also mit Petra III, Flash und dem europäischen Röntgenlaser XFEL haben wir schon viel erreicht.

So viel, dass Forschungseinrichtungen rund um das DESY inzwischen renommierte Forscher aus aller Welt nach Hamburg ziehen. Nach einer internen Einschätzung der US-Administration wird das DESY im Bereich der Strukturforschung mit der Inbetriebnahme des XFEL sogar Stanford den Rang ablaufen. Dies ist ein wichtiger Meilenstein für die Forschung und für unsere Stadt, und darauf aufbauend sollen Hamburgs Ausgaben für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie DESY in den beiden kommenden Haushaltsjahren um 6,3 % steigen.

Wir dürfen aber nicht nur die Forschung fördern, sondern müssen auch den Nachwuchs im Blick haben, auf allen Ebenen und in allen Altersgruppen.

Hierfür setzt sich auch die Körber-Stiftung ein, indem sie jungen Menschen Zitat Lust auf MINT macht. Mint steht, Viele wissen es, für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Mit verschiedenen Projekten, Netzwerken und Veranstaltungen im Bereich Wissenschaft fördert die Körber-Stiftung den MINT-Nachwuchs und regt gleichzeitig eine Debatte über gesellschaftlich relevante Fragen in Naturwissenschaft und Technik an.

MINT-Berufe gelten als Innovationsmotor für die deutsche Wirtschaft. Und es besteht gerade in Hamburg als Standort moderner Branchen wie etwa der Luftfahrtindustrie ein großer Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs. Das wissen wir und deshalb sind wir sehr dankbar für die Unterstützung durch die Körber-Stiftung. Die Verleihung des Körber-Preises heute zeigt, dass es sich lohnt, schon frühzeitig in den wissenschaftlichen Nachwuchs zu investieren.

 

Lassen Sie mich nun anfangen aufzuhören und der Körber-Stiftung für die diesjährige Auszeichnung sehr herzlich danken. Danken und vor allem gratulieren möchte ich noch einmal Ihnen, May-Britt und Edvard Moser, für Ihre zukunftsweisende Arbeit, die möglicherweise eines Tages vielen Leidgeplagten zu mehr Lebensqualität verhilft.

Vielen Dank.

 

Es gilt das gesprochene Wort.