Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg sehr herzlich zur Einbürgerungsfeier. Ich freue mich, dass Sie unserer Einladung so zahlreich gefolgt sind.
Und ich begrüße Euch, die Jungen und ganz Jungen. Die Mädchen auch! Dass ich hier so viele junge Leute begrüßen darf, macht immer wieder die ganz besondere Atmosphäre dieses Festes, der Einbürgerungsfeier aus.
Sie alle sind ein wichtiger Teil von Hamburgs Zukunft. Sie sind eingeladen, zur Gestaltung der Stadt beizutragen, und tun es.
Sie haben sich als Hamburgerinnen und Hamburger für eine Einbürgerung entschieden und wir freuen uns darüber, weil es ein wichtiger und richtiger Schritt ist. Vielleicht war es für manche von Ihnen keine leichte Entscheidung. Die Zugehörigkeit zu einem Staat ist für viele ein wichtiger Teil der kulturellen Zugehörigkeit und der persönlichen Identität. Deshalb haben Sie den Schritt vielleicht auch sehr intensiv im Kreise Ihrer Familien beraten, und ich freue mich, dass etliche Familienmitglieder heute dabei sind. Das ist ein sehr gutes Zeichen.
Sie haben sich für Hamburg als neue oder als zweite Heimat entschieden und sind nun Staatsbürgerinnen und Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland. Deshalb sage ich ausdrücklich, obwohl Sie ja alle schon sehr lange in diesem Land leben: Herzlich Willkommen in Deutschland! Das haben hoffentlich schon viele andere gesagt, ich wiederhole es gerne.
Meine Damen und Herren,
Hamburg wird seit Jahrhunderten von Zuwanderung geprägt und Sie sehen, wie gut uns das getan hat.
Seit sehr langer Zeit sind wir eine Stadt, die durch den Handel geprägt ist. Als Teil der Hanse war Hamburg über Jahrhunderte mit Händlern aus aller Welt verbunden. Immer haben die Handel Treibenden auch das Neueste aus Kultur, Wissenschaft und Technik mitgebracht. Innovation durch Import, könnte man salopp sagen. Das ist aber nur die eine Seite.
Wir haben auch in früheren Jahrhunderten Flüchtlinge aufgenommen, das waren im 16. und 17.Jahrhundert vor allem Glaubensflüchtlinge. Nach Hamburg wanderten die Hugenotten aus Frankreich ein und später kamen Flüchtlinge aus den Niederlanden und viele andere, weil sie hier ihre Religion frei ausüben konnten. Nicht schon immer war das so, aber immer mehr setzte sich die Vernunft durch. Zuwanderung ist auch ein Zeichen dafür, dass Hamburg eine offene und freiheitliche Stadt ist.
Im 17. und 18. Jahrhundert ließen sich spanische, portugiesische und englische Händler in Hamburg nieder. Am Ende des 19. Jahrhunderts kamen über eine Millionen Polen nach Deutschland, auch nach Hamburg; vor allem aber nach Nordrhein-Westfalen. Dort förderten sie die Kohle, die die Industrialisierung in Deutschland ermöglichte.
Flucht und Vertreibung brachten nach dem zweiten Weltkrieg viele Deutsche aus Osteuropa nach Hamburg, die sich hier auch lange fremd fühlten. Und in den sechziger Jahren warb Deutschland Frauen und Männer aus Italien, Portugal und der Türkei an, weil es an Arbeitskräften mangelte.
So unterschiedlich die Gründe sind, aus denen Männer, Frauen, ganze Familien eine neue Heimat suchen und finden, die Zuwanderung war immer ein Gewinn für die Region. Und für das deutsche Wirtschaftswunder, wie es vor sechzig Jahren genannt wurde, waren Migrationsbewegungen elementar.
Meine Damen und Herren,
Hamburger und Hamburgerinnen haben Namen aus aller Welt, Erfahrungen aus hunderten Ländern und Familien in vielen Kontinenten.
Hamburg ist eine Ankunftsstadt. Für die Stadt ist es gut, wenn sich Frauen und Männer dafür entscheiden, bei uns zu leben und zu arbeiten, eine neue Heimat zu finden, eine Ausbildung zu absolvieren, eine Familie zu gründen und ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft bei uns zu einzurichten.
Übrigens stammt etwa jeder sechste Selbstständige in Deutschland aus einem anderen Land, oder seine Vorfahren tun es. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hat darauf hingewiesen, dass viele nach Deutschland Eingewanderte Unternehmen gründen und damit Arbeitsplätze schaffen. Lagen früher die Schwerpunkte der Gründung bei Gastronomie und Handel, engagieren sich heute immer mehr Bürger mit nichtdeutscher Herkunft auch in wissensbasierten Unternehmungen. Das ist ein unverzichtbarer Beitrag zur ökonomischen Kultur und man darf auch das gern erwähnen zu Steuern und Sozialversicherungen.
Meine Damen und Herren,
Hamburg will möglichst viele von denen, die noch keine Deutschen sind, für die Idee gewinnen, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.
Zu 19 Einbürgerungsfeiern habe ich seit 2011 eingeladen, und jedes Mal freue ich mich wieder. Es ist einer der Momente, in denen ich drauf und dran bin, das altmodische Wort des Stadtvaters zu benutzen. Das tue ich nicht, aber der Hamburger Senat wird in dem Bemühen und Werben für die Einbürgerung nicht nachlassen.
Das sehen Sie unter anderem auch daran, dass ich seit 2011 rund 145.000 Mitbürger persönlich per Brief eingeladen habe, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben, weil sie die Voraussetzungen dazu erfüllten. Das ist viel Arbeit ich meine nicht das Briefeschreiben, aber viele Behördengänge werden nötig und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt unterstützen die Kampagne tatkräftig.
Wir haben mit den Einwanderungslotsen viele Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die in Bezirken, Vereinen und im Bekanntenkreis für die Einbürgerung werben und Neubürger begleiten. Unser Werben hat sich gelohnt: 2013 und 2014 konnten wir insgesamt mehr als 13.500 Neubürger in unserer Mitte begrüßen.
Meine Damen und Herren,
als Staatsbürgerin und Staatsbürger haben sie nun alle bürgerlichen Rechte und Pflichten. So muss es sein, und auch deshalb glaube ich, Sie haben eine gute Entscheidung getroffen. Denn wer hier lebt, wer hier gern lebt, wer sich auf Deutschland einlassen, sich hier wohlfühlen und etwas aufbauen will, muss dann auch alle Rechte und Pflichten haben, alle Möglichkeiten der Teilhabe am öffentlichen Leben, an dem, was wir demokratische Willensbildung nennen.
Ich bin sicher, Sie werden es spüren oder spüren es jetzt schon: dass Sie als Staatsbürger in stärkerer Weise gefragt sind mitzumachen, ihre Ideen zu entwickeln, Ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen und ihre Meinung zu sagen. Ich möchte Sie ermutigen, das vielfältig zu nutzen. Bringen Sie ihre Erfahrungen, ihre Perspektiven und ihre Meinung ein. Machen Sie unsere Stadt und Deutschland auch ganz aktiv zu ihrer politischen Heimat. Engagieren Sie sich in Vereinen, Schulen und Parteien. Sie haben jetzt das aktive und das passive Wahlrecht. Sie können jetzt wählen und kandidieren. Bitte nutzen Sie das. Manche von Ihnen kennen auch die andere Perspektive: Wie es ist, wenn man nicht wählen kann. Vielleicht können Sie dem einen Nichtwähler oder der anderen Nichtwählerin auf die Sprünge helfen.
Übrigens brauchen wir Sie auch ganz konkret in der Verwaltung der Stadt. Interkulturelle Kompetenz nennen wir das Zusammenwirken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedener Herkunft. Viele Betriebe und Unternehmen setzen darauf, und die Stadt Hamburg ebenso. Dieses Ziel hat die Kampagne Wir sind Hamburg bist du dabei?. Mit ihr sucht der öffentliche Dienst vom Einwohneramt bis zur Polizei mehrsprachige Mitarbeiter und solche, die Erfahrungen aus anderen Kulturkreisen mitbringen.
Also, nehmen Sie Einfluss, tragen Sie dazu bei, unser Land weiter zu entwickeln. Es ist Ihr Land, mit seinen Stärken und sicher auch Schwächen. Machen Sie das Beste aus Ihrer Staatsbürgerschaft, machen Sie das Land noch besser.
Ich bin überzeugt, Sie werden Ihre Entscheidung nicht bereuen.
Vielen Dank.
Es gilt das gesprochene Wort.